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You never walk alone: Gemeinde als Ort zum sich selbst sein -- 3. Februar 2007
Jesus meint an einer Stelle: "wer den Willen meines Vater tut, das sind meine Brüder und Schwestern" (Markus 3,31-35). Er stellt seinen Nachfolgern in Aussicht, Teil einer Familie zu werden. Warum ist das so?
Jesus ist nicht Spezialist für Religion, sondern für das ganze Leben. Bei der Schöpfung der Welt wird erwähnt, dass es nicht gut ist, dass der Mensch alleine sie. Wir sind für Beziehungen geschaffen. Wenn Kinder geboren werden, kommen sie in eine Familie. Wenn es keine Familie gibt, sucht man eine neue Familie. Das familiäre Umfeld ist lebenswichtig. Die Familie ist der Ort, wo wir unser Gefühl der Zugehörigkeit erlangen und unsere grundlegende Prägung.
Eph 3,18: "zusammen mit allen Heiligen sollt ihr die Breite, Tiefe und Höhe der Liebe Gottes verstehen". Um Gottes Liebe zu erfassen, brauchen wir die Glaubensfamilie. Wir können das nicht nur allein.
Eph 4,13-14: "indem wir zusammenhalten, wachsen wir auf, werden Reife und werden wie Jesus". Wir brauchen andere, um in Reife zu wachsen und mehr wie Jesus zu werden.
Ein Bild dafür ist das Samenkorn. Es hat eine harte Schale. Wenn es in die Erde fällt und von Erde umgeben wird, sorgen Wärme und Wasser dafür, dass die harte Schale aufgeweicht wird. Dann kann das neue Leben hervor kommen. So ist die Wirkung von Familie auf uns: die harte Schale fällt ab und im sicheren Umfeld lernen wir zu leben und zu wachsen.
In der Familie geht man durch verschiedene Phasen: 1. Räuber - bei der Geburt nimmt man sich, was man braucht. Ein Kind schreit und wir versorgt. Es ist abhängig und wird versorgt. Es bekommt von der Familie Halt und Schutz. 2. Regeln - wenn das Kind älter wird, braucht es Regeln, um Teil des Lebens zu werden. Zum eigenen Schutz helfen die Eltern den kleinen, Gefahren zu meiden und mündiger zu werden. Auch hier ist das Kind abhängig und wird von den Eltern geführt. 3. Rebell - später hinterfragt das Kind die Regeln und löst sich. Es wird unabhängig und Eltern lernen loszulassen (hoffentlich). Das Kind grenz sich ab und sucht eigene Identität. 4. Reinheit - (nicht immer) lernt das Kind, dass Abgrenzung allein nicht der Weg ist. Es entdeckt die eigenen Weg, die eigene Identität und die eigen Stimme. Hier ist es möglich, wirklich Gemeinschaft zu haben. Es ist nicht mehr abhängig und nicht mehr unabhängig, sondern gemeinschaftlich.
Dieses Modell passt auf die geistliche Entwicklung von einzelnen, sowie auf das Verhalten in Familie und Gemeinde. Meistens verteufeln die Personen den Schritt der Rebellion, aber der ist wichtig, um wirklich eigenständig Teil der Gemeinschaft zu werden. Je nachdem wo du stehst, brauchst du in der Gemeindefamilie andere Unterstützung.
Wie kann das aussehen?
1. Finde deinen Heimathafen Jesus lädt uns ein in verbindliche Gemeinschaft. Familie ist nicht nur ein zeitliches Konstrukt, sondern da ist man einfach zusammen, weil man zusammen gehört. Sei Teil davon. Ein Baum kann nur Frucht bringen, wenn seine Wurzeln in den Boden gehen (und auch dort bleiben). Sonst wird es schwer. In Jeremia 29 spricht der Prophet zum verschleppten Israel. Sie waren in Babylon (Irak) verschleppt und sehnten sich nach ihrer Heimat Israel. Aber in dieser Situation ist die Aufforderung: "Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und eßt ihre Früchte; nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter" (Jer 29,5-6). Also: lasst Wurzeln nieder, selbst wenn ihr in einer Übergangsphase sein. Es ist wichtig, ganz präsent zu sein, wo du bist. Dadurch kommt Frucht in dein Leben.
2. Geh in einen Hauskreis In der Bibel ist immer wieder die Rede von "Einander": einander... lieben, ertragen, ermahnen, ermutigen, unterordnen, versorgen etc. Das passiert wenig in einem Gottesdienst. Es passiert dort, wo man sich kennt und das Leben teilt. Der Hauskreis ist dafür da. Wenn Leute durch Krisen gehen, ist der Hauskreis das beste Support-System, das wir als Gemeinde anzubieten haben. Werde Teil davon.
3. Trage deinen Teil bei Eph 4, 13-15 spricht von Reife und Wachstum. Das passiert, wenn alle ihren Teil beitragen. Egal, was es ist, du hast deinen Geschmack und deinen Beitrag. Das hilft allen (und dir), wenn du das beiträgst. In dem Film "wie im Himmel" wird die Geschichte von einem Star-Dirigent erzählt, der nach einem Konzert einen totalen Zusammenbruch erleidet. Er zieht sich in das Dorf seiner Kindheit zurück und übernimmt dort widerwillig die Leitung des örtlichen Kirchenchors und zeigt der bunt zusammen gewürfelten Gruppe von Hobby-Sängern. Um besser zu singen, hilft er ihnen "ihren eigenen Ton zu finden". Sie lernen dabei, sich ihrem eigenen Schicksal zu stellen und finden Wege, sich selbst selbst zu lieben. Letztlich singt der Chor die schönste Melodie, weil jede Personen ihren eigenen Ton gefunden hat und einstimmt.
veröffentlicht von marlster am 7.2.07 0 Kommentare:
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