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Veränderungen meistern -- 19. Mai 2007

1 Einleitung
Wenn ich an meinen Zivildienst zurückdenke, erscheint mir Vieles wie das Leben aus einer anderen Welt. Früh morgens fahren wir im Uralt-Traktor in den Wald zur Arbeit. Der kalter Nebel der Winternacht macht uns nur widerwillig Platz. Unsere Gedanken klammern sich noch an Schlaf und Wärme.
Angekommen rüsten wir uns: Ohrenschutz, Helm, Handschuhe, Motorsäge, Äxte. Wir sägen und hämmern bis unsere Wangen glühen, und die Hände die schwere Motorsäge nicht mehr halten wollen. Abends fahren wir glücklich und erschöpft nach Hause, wissend, dass wir die Wärme den Arbeitern vor uns verdanken, und auch das Holz, das wir geschlagen haben, im nächsten Jahr unsere Gemeinschaft wärmen wird.
Über die Monate arbeiten ganz verschiedene Leute in meinem Waldteam. Jeder ein Original. Jeder besonders. Liebenswert. Zu vielen entwickelt sich eine guter Kontakt. Mancher wird ein Freund. Michael, Ali, Holger, Willi, Erik, Uwe, Lutz. Sie alle sind hier um von Drogensucht frei zu werden. Doch nur Wenige erreichen ihr Ziel. Michael schafft es und lernt heute Krankenpfleger. Uwe ist selbstständig. Doch Holger und Willi verlassen die Therapie. Als ich Willi einige Monate später treffe, wiegt er weniger als 40 Kilo. Zurück im Nebel.
Seitdem bewegt mich eine Frage: Warum gelingt manchen Menschen Veränderung und anderen nicht? Warum haben es manche meiner Freunde nicht geschafft?
Auch ich bin jemand der verändern möchte: die Familie, in der ich lebe; die Firma, in der ich arbeite; die Gemeinde, in der ich diene: ich möchte gestalten und Spuren hinterlassen. Und doch scheitere ich oft schon an erster Instanz: mir selbst. Wie kann ich mich verändern?

2 Freiheit
2.1 Fremdbestimmt
Ein übliches Gesprächsthema bei der Arbeit ist, wie schlecht es uns ginge: die vielen Überstunden, Kollegen, die Ihre Aufgaben nicht gut machen, organistorische Unsinnigkeiten. Selbst privat reden viele ähnlich: wir haben eine lange Liste von Umständen und Menschen, die uns das Leben schwer machen. Tausend Gründe warum wir nicht zufrieden sind.
Auch in der Bibel begegnen uns solche Argumente: Mose, der meint nicht gut genug zu reden, Gideon, dessen Heer zu klein ist, der reiche Jüngling, der Jesus wegen seines Geldes nicht nachfolgen kann.
Die Argumentation ist immer die selbe: Jemand oder etwas anderes ist Schuld. Diesen Determinismus gibt es in verschiedenen Varianten:
Genetisch: Meine Großeltern sind schuld. Z.B. werde ich deshalb immer so schnell wütend.
Psychisch: Unsere Eltern sind schuld. Wegen ihnen fällt es mit so schwer Gott zu vertrauen.
Sozial: Mein Boss ist schuld. Deswegen habe ich mehr Arbeit als ich schaffen kann.
Allen liegt als Annahme ein einfaches Wirkungsschema zugrunde. Auf Reiz folgt Reaktion. "Ich habe ja keine Wahl."
Doch wer so denkt, nimmt sich die Würde und die Fähigkeit zur Veränderung. Wir sagen einerseits wir seien nicht schuld. Im selben Atemzug aber auch: "Ich habe nichts zu sagen." Zum Thema Veränderung bedeutet das: "Ich bin nicht zuständig."
Wir reden so, um uns zu entlasten, aber in Wirklichkeit produzieren wir damit Stress. Denn Stress ist nicht die Folge von zuviel Arbeit und zuwenig Zeit. Stress ist das Gefühl der Fremdbestimmung: Jemand oder etwas kontrolliert oder zwingt mich.
2.2 Frei
Ein kurzes Gedankenexperiment: Schließe die Augen und Stelle Dir einen Ort auf der Welt vor, an dem Du jetzt lieber wärest als in diesem Gottesdienst. Vielleicht Dein Balkon? Australien? Bei einem Menschen, den Du liebst?
Hast die Möglichkeit dort hinzugelangen? Die Antwort - mit sehr wenigen Ausnahmen - ist ja. Aber du hast Dich entschieden jetzt hier zu sein. Und Du kannst Dich anders entscheiden. Du könntest alle Deine Sachen verkaufen und um die Welt reisen. Du könntest den Job kündigen, der Dich so sehr nervt. Natürlich wären damit dann auch Nachteile, Kosten, verbunden. Die Entscheidung liegt bei Dir.
Victor Frankl schrieb einen bewegenden Bericht über sein jahrelanges Leben im Konzentrationslager. Er machte dort die Entdeckung, dass egal wie äußerlich eingeschränkt seine Freiheit ist, ihm niemand seine innere Freiheit nehmen kann. Er kann sich selbst im KZ in Gedanken von dem Elend distanzieren. Er kann glauben, dass sein Leiden einen Sinn hat. Er kann in Mitten des Wahnsinns lieben.
Das ist ein Extrembeispiel, doch dieselbe Wahrheit gilt für jede Alltagssituation. Ein schreiendes Baby mag uns das Gefühl geben, keine Wahl zu haben, als es zu füttern. Doch es war unsere Entscheidung ein Kind zu bekommen. Eine gescheiterte Beziehung mag uns unabwendbar vorkommen. Doch es war unsere Entscheidung mit diesem Menschen zusammen zu kommen. Es stand auch in unser Macht, mehr zum Gelingen der Partnerschaft beizutragen. Selbst Unfälle und Schicksalsschläge haben vielleicht das erste, aber nie das letzte Wort.
Das Wirkungsschema "Auf Reiz folgt Reaktion" ist falsch, denn azwischen steht immer unsere Entscheidung. Diese Lebensweisheit ist in unserem Wort "verantwortungsbewusst" kodiert: Wir können bewusst eine Antwort geben.
Das ist die erste Tatsache über Veränderung. Du bist immer frei zu entscheiden, was Du tust. Und darum auch immer verantwortlich. Indem wir uns dieser Wahrheit stellen, haben wir den ersten Schritt weg von einem reinen Schaufensterbummel der Probleme gemacht. Wir sind jetzt zuständig.
Wir finden diese Wahrheit auch in der Bibel. Im zweiten Schöpfungsbericht lesen wir, dass Gott dem Menschen von Anfang an mit Entscheidungsfreiheit ausstattet. Auch unser Weg als Kind Gottes beginnt mit einer Entscheidung.
2.3 Grenzen
Dieses Bewusstsein der eigenen Freiheit und Verantwort ist ein Befreiungsschlag. Wir werden eine Führungspersönlichkeit, denn wer entscheidet, führt. Wir erhalten ein Reich, in dem wir herrschen.
Doch es ist eines der Geheimnisse des Lebens, dass wir gerade in unserer Freiheit an Grenzen stoßen. Dazu gehören die drei folgenden.
Motive - Was treibt mich an?
In der Ausübung unserer Freiheit bemerken wir Kräfte und Motive in uns, die wir schwer greifen und steuern können. Manchmal sind das die Erwartungen anderer, die wir meinen erfüllen zu müssen. Wir vergessen, dass die Erwartungen anderer die Erwartungen anderer sind. Indem wir sie übernehmen, und unser Leben nach dem, was andere von uns wollen, ausrichten, fällt es uns schwer, unseren eigenen Rhytmus zu finden. Arabella Kiesbauer sagte einmal ihrer PRO 7-Talkshow: "Dein Freund muss sich total ändern. Da reichen nicht einmal 180 Grad, das müssen schon 360 Grad sein.“ Ein Versprecher der dennoch wahr ist: Wer sich an den Erwartungen anderen ausrichtet, dreht sich schnell im Kreis.
Doch selbst meine eigenen Erwartungen sind gefährlich, solange ich keine Verbindung zu meiner Seele habe und einem Wunschbild hinterherlaufe. Ich glaube, davon spricht die Bibel, wenn sie uns auffordert den alten Menschen abzulegen. Oft wird das nur auf die Sünde bezogen. Aber der alte Mensch ist auch die Illusion von uns selbst, der wir nachlaufen, ohne je zur Ruhe zu finden.
Möglichkeiten
Der Abt Odilo Lechner schreibt:
"Der moderne Mensch ist ein Möglichkeitsmensch, dem es schwer fällt, sich auf etwas einzulassen und bei etwas zu bleiben. Er läuft Gefahr, zu einem Menschen ohne Eigenschaften zu werden, der ständig davon träumt, das Leben von anderen zu führen. Oder der sich auf das Angebot der totalen Zerstreuung einlässt, auf die Flut von Bildern und Worten, von Informationen und Anreizen.
Die Fülle der Eindrücke verhindert, dass er von etwas Tiefem oder Neuem wirklich berührt wird und zur unverwechselbaren eigenen Gestalt findet.
Für Benedikt war klar, dass man sich im Labyrinth der tausend Möglichkeiten nur verlieren kann."
Machtlos
Es gibt symbolisch gesprochen zwei Kreise in unsere Leben: Einen Interessenkreis, der alles umfasst, was für uns wichtig ist, und einen Wirkungsskreis, der alles enthält was wir beeinflussen können. Der Wirkungskreis ist im Interessenkreis enthalten und kleiner, denn es gibt vieles auf der Welt, was wir ändern wollen, aber nicht ändern können.
Selbst wer seine Möglichkeiten ausschöpft, erlebt schnell, wie begrenzt sie sind. Wir sind zwar frei und verantwortlich, aber oft nicht ausreichend fähig.
Wir stoßen dabei auf ein Prinzip, das in der Physik als Naturgesetz des Energieerhaltungssatzes bekannt ist. Energie, ob in freier Form oder gebunden in Masse ist konstant. Indem wir uns unserer Freiheit bewusst werden, verwandeln wir einiges an Masse in freie Energie, so dass wir unseren Bewegungsspielraum vergrößern. Doch irgendwann merken wir, dass wir uns in einem Nullsummenspiel befinden. Unsere Möglichkeiten sind klein, aber unsere Sehnsucht ist groß.
Für mich sind meine Freiheit und Sehnsucht Signale Gottes, und meine damit untrennbar verbundenen Grenzen Wegweiser, immer wieder den Weg zu ihm zu finden.

3 Identität
3.1 Geburt
In fast jeder religiösen Tradition gibt es Geburt und Wiedergeburt. Darin steckt das tiefe Verständnis, dass mit der Welt, wie wir sie erleben, etwas nicht stimmt. Dass sie und wir in Fesseln liegt und der Befreiung und Befähigung bedürfen. Menschen haben zu allen Zeiten mit dieser Frage gerungen: Was hält mich davon ab, im Frieden mit mir zu sein? Wirklich frei zu sein? Der zu sein, der ich in meinem Herzen sein möchte?
Die ersten Christen glaubten, dass genau diese Verwandlung durch Jesus auf neue und einzigartige Weise ausgestaltet ist (Kolosser 3). Im Neuen Testament werden Gemeinschaften von Gläubigen als "Heilige" bezeichnet. Das hier verwendete griechische Wort "Hagios" bedeuted „Geweihtes" oder "vom Gewöhnlichen Getrenntes“. Ein Heiliger hat nicht Gott begriffen. Er wurde von Gott ergriffen.
Das ist die gute Nachricht der Bibel: Gott gibt uns nicht nur Freiheit. Er verwandelt uns in Menschen, die in guter Weise mit ihr umgehen können. Indem er das tut, mischt er sich ein und gibt einen Impuls von außen. Diese Dynamik gleicht dem Impulserhaltungssatz der Physik: Jeder Impuls erzeugt Gegenimpuls. Alle Aktivität und Veränderung in unserem Leben ist Antwort auf die erste Bewegung unseres Schöpfers.
Paulus schreibt: Als wir noch Sünder waren hat Gott uns schon geliebt und ist für uns gestorben. Schon im Alten Testament spricht Jesaja im Namen Gottes: "Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?" (Jesaja 43,19)
3.2 Leben
Die Einsicht, dass der erste Impuls für unser Leben von Gott ausgeht, fordert uns heraus, anders an das Thema Veränderung heranzugehen. Vor der Frage, was ich tun kann, steht nun: Was wurde für mich getan?
Durch Christus hat Gott uns mit sich versöhnt. (Kolosser 1,20). Es gibt nichts, was wir tun können oder je tun konnten, um die Gunst Gottes zu gewinnen: Wir haben sie bereits. Wie tragisch es ist, nicht zu erkennen, was wir in Gott bereits haben, erzählt Jesus im Gleichniss des verlorenen Sohns. Als für den jüngeren Sohn, der sein Erbe durchgebracht hat, bei seiner Heimkehr ein Fest gefeiert wird, beklagt sich der ältere Sohn, dass für ihn nie gefeiert wird. Sein Vater korrigiert ihn: "Alles was ich habe ist doch bereits Dein". Der Ältere ist der wirklich verlorene, denn er weiß nicht, wie reich er ist.
Das ist dramatisch. Stelle Dir vor, Du würdest heute im Lotto gewinnen, aber nie auf die Kontoauszüge schauen. Erst nach Deinem Tod würden Deine Kinder bemwerken, wie reich Du gewesen bist - oder sollte man sagen: gewesen wärest? Als im Neuen Testament die Philipper der Meinung sind, dass sie durch Einhalten der Vorschriften vor Gott Anerkennung finden, fleht Paulus sie fast an: Haltet fest an, was Ihr bereits erreicht habt (Philipper 3,16).
Als die ersten Christen durch das römische Reich zogen und die Botschaft von Jesus erzählten, betonten sie in erster Linie, wer wir Menschen von Gottes Standpunkt aus sind. Wir können ein neues Leben führen, weil wir "für die Sünde tot sind, aber für Gott leben" (Römer 6,11).
Jesus spricht über das ewige Leben nicht als zukünftigen Seinszustand, sondern als eine neue Lebensqualität heute. Wenn diese Wirklichkeit uns ergreift, haben wir "die Grenze vom Leben zum Tot schon überschritten" (Johannes 5,24). Ewiges Leben ist also eine bestimmte Weise zu leben, die ich jetzt annehme, immer umfassender ausfülle und die immer weiter gehen wird. Im Leben Jesu sehen wir, wie die Wirklichkeit eines Menschen aussieht, der versöhnt mit Gott lebt. Jesu Botschaft ist: Jeder kann so in Verbindung zu Gott treten.
Gerade in Situation in denen wir uns unseres Fehler bewusst sind, stellt sich die Frage: Welcher Version unsere Geschichte glauben wir? Der Version Jesu oder einer der vielen anderen, die wir angeboten bekommen. Diese tägliche Entscheidung bestimmt, in welcher Wirklichkeit wir leben. Diese Realtität geht in jedem Falle über dieses irdische Leben hinaus: Der Himmel ist voller Menschen die Gott liebt, für die Jesus gestorben ist und denen vergeben ist – und genauso die Hölle. Es kommt darauf, in welcher Geschichte wir leben möchten.
Was bedeutet das für unser Leben als Christen? Wir sind zu allererst Menschen die lernen, wer sie in Christus sind. Ein Lehrer sagte einmal: "Wenn man den Menschen mehr zeigen würde, wer sie sind, müsste man ihnen nicht dauernd sagen, was sie zu tun haben." Eine religiöse Gemeinschaft, die die meiste Zeit versucht, Menschen vom Sündigen abzuhalten, hat Ihr Ziel verfehlt. Es geht nicht um Sünden-Management. Es geht nicht um das, was wir nicht tun, sondern darum was wir tun und wer wir sind.
3.3 Transformation
Der biblische Begriff, der die Wirkung Gottes auf einen Menschen, der sich ihm zuwendet, beschreibt ist viel stärker als Veränderung. Er ist Erneuerung oder Transformation. Etwa: "Wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden." (2. Kor. 5,17)
Während Veränderung etwas stetiges - manchmal schleichendes - ist, beschreibt Transformation einen Paradigmenwechsel. Andere Verwendungsweisen das Begriffes Transformationen illustrieren einige Eigenschaften dieser Erneuerung:
In der Dramaturgie: „Veränderung eines Protagonisten während einer Geschichte.“Wir werden Teil der großen Geschichte Gottes mit allen Menschen und in ihr verändert.
In der Militär: „Fortentwicklung von Methoden, um militärischen Einheiten einen Vorteil verschaffen.“Die Musikerin Lauren Hill wurde einmal gefragt, ob die Armut und Ungerechtigkeit der Welt ihr nicht das Gefühl der Machtlosigkeit gäben. Ihre Antwort: "Nein, ich kann doch beten." In Beziehung zu Gott zu treten heißt, Probleme aus gestärkter Position wirkungsvoller anzugehen: Gottes Weitblick statt nur Bodensicht, Vergebung statt Bitterkeit, Gebet, Gottes Stimme hören, Ewigkeitsperspektive. All das gibt eine komplett neue Schlagkraft. Viele Probleme haben zugleich eine geistliche und seelische Dimension, denen ich nun auf den Grund gehen kann.
In der Recht: „Umsetzung völkerrechtlicher Verträge in nationales Recht.“Gottes Plan findet Anwendung in meinem Leben. Sein Bund wird vom Versprechen zur Erfüllung.

4 Auftrag
4.1 Heil werden
Eine Perspektive des Falles Jesu ist die eines Rechtsgeschäftes. Wir Menschen sind schuldig vor Gott, der sich als Richter mit unserem Fall befasst. Er bezahlt die Schuld indem er seinen Sohn an unserer Stelle bestraft. Der Rechtsaspekt beleuchtet Jesu Tat "für uns". Das Wunder der Gnade. Es muss nichts mehr geopfert werden, denn Jesu Hingabe reicht für alle unsere Fehler (Kolosser 2,13-14).
Die Erkenntnis der Tat Jesu "für uns" ist ein wichtiger erster Schritt, doch für Jesus ist Erlösung mehr. Es gibt auch das Werk des Kreuzes "in uns". Durch unsere fortwährende Hinwendung an das Kreuz erleben wir Heilung unsere Zerbrochenheit. Nicht nur Überdeckung der Sünden, sondern: Werden, wie Gott uns gedacht hat - großzügig, liebevoll, mitfühlend, heil. Neugeburt ist der Start lebenslanger Veränderung. Römer 12,2a: "Seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes." Umstände, z.B. Erfolg, werden unsere Seele nicht heilen, sondern innere Erneuerung. Es ist eine Sache an Gott zu glauben, doch eine andere, heil zu werden. Man kann gerettet und doch unglücklich sein, glaubend und dennoch innerlich zerbrochen. Das Kreuz kann für mich, aber nicht in mir wirken.
Stelle Die ein Bild for das auf einer Seite dunkel und auf der anderen hell ist. Eine beliebig große Anzahl von Kreuzen kann die Dunkelheit nicht überdecken. Es geht um eine Bewegung Richtung Licht Licht.
Deine Aufgabe ist es, unabgelenkt den Menschen anzustreben, als den Gott dich geschaffen hat. Alles darüber hinaus ist Sünde. Wenn Du Zeit darauf verwendest, etwas deshalb zu tun, weil es dein Wunschbild ist, oder weil Menschen es wollen ist das Sünde.
Hier wird die biblische Schöpfungserzählung lebendig. Das bewegende an Schöpfung und Fall von Adam und Eva ist, wie bei viele biblische Passagen, nicht, dass sie geschah, sondern dass sie heute in unserem Leben geschieht. Wir entscheiden uns viel zu uns, nicht unser Bestimmung gemäß zu leben.
4.2 Wie im Himmel
Jesus sprach sehr wenig über das Leben jenseits von diesem Leben, denn er verstand das jenseitige Leben als Fortsetzung der Entscheidungen, die wir hier und jetzt treffen. Jesu Frage ist nicht: „Wie komme ich in den Himmel“. Sondern: „Wie bringt man den Himmel hierher.“
Entsprechend ist Erlösung für die ersten Christen mehr als ein Fahrschein ins Jenseits: die ganze Schöpfung soll wieder in Einklang mit Gott gebracht werden (Epheser 1). Das Wirken Jesu in meinem Herz ist Teil einer viel größeren Wiederherstellung und Versöhnung, die das gesamte Universum umfasst. Es geht nicht um mich.
Christen werden oft für Ihr Reden über Himmel und Hölle kritisiert, paradoxerweise aber ohne den wesentlichsten Irrtum zu bennen. Es steht außer Frage, dass Himmel und Hölle existieren. Das bemerkenswerte ist, dass sie schon hier und heute Realität sind.
Was sind die industrielle Mordmaschinerien Nazi-Deutschlands, Völkermorde auf der ganzen Welt, oder die sinnlosen Attentate auf Zivilisten, die Schlagzeilen schreiben: Hölle auf Erden. Unser Auftrag ist es, dass sich diese Hölle nicht ausbreitet.
In den wenigen Reden Jesu, in denen das Leben nach dem irdischen Tod vorkommt (und an anderen Stellen ist in Bibel von der Hölle gar nicht die Rede) geht es vor allem darum, ob Jesu Anhänger sich um die Schwachen und Rechtlosen gekümmert haben. Jesus will, dass seine Anhänger den Himmel und nicht die Hölle auf die Erde holen.
Das ist keine neue Lehre, sondern das war von Anfang an Gottes Absicht. Gott ging durch den Garten und suchte Adam und Eva. Er befahl den Israeliten eine Stiftshütte zu bauen, damit er in ihrer Mitte leben konnte. König Salomo baute einen Tempel, das Haus Gottes, so dass Gott dauerhaft unter seinem Volk leben konnte. Als schließlich Jesus kam, heiß es von ihm, „er wurde Mensch und lebte unter uns Menschen“ (Joh. 1,14). In der Bibel geht es dauernd darum, dass Gott hier bei seinem Volk sein will. Später wird die Kirche als Tempel Gottes bezeichnet, und die Bibel endet damit, dass Gott herab kommt und seinen Wohnsitz hier auf der Erde einnimmt. (Offb. 21-22). Das wahrhaft Geistliche ist also nicht, der Welt zu entfliehen, sondern sie so zu gestalten, dass Gott kommen kann. Dazu beruft und befähigt er uns.

5 Praxistipps
5.1 Konkret
"Wenn Du auf einem toten Pferd sitzt, dann steig ab." (indianisches Sprichwort).
Beginne Veränderung sofort und konkret:
Worte bringen keine Veränderung: "Es gibt nichts Gutes außer man tut es" (E. Kästner).
Verzögerung ist meistens dumm. Mose: "Wann soll ich für Dich und Dein Volk für die Ausrottung der Frösche beten". Pharao: "Morgen." (2. Mose 8,6)
Ein häufiger Schein-Blocker ist Zielunsicherheit: Kann ich starten, ohne ein Ziel zu haben? Oder in christlicher Wortwahl: Kann ich losgehen ohne meine Berufung zu kennen? Die Antwort ist ja.
Bei der Durchführung von Projekten wird dieses Vorgehen "Schrittweise Verfeinerung" genannt. Bei komplexen Aufgaben, die zum ersten Mal in dieser Form unternommen werden, kann man das genaue Ergebnis gar nicht kennen. Wir brauchen darum kein Ziel um loszugehen. Was wir bereits haben sind Werte und einen Gott, der nicht nur am Ende unserer Lebensreise steht, sondern mit uns auf dem Weg ist.
5.2 Tiefe
Im Veränderungsprozess haben wir es oft mit mehren Verhaltensschichten zu tun. Unser Verhalten ist die Folge, der Folge, der Folge, etc.
Im schnellen Alltagstempo können wir diesen Abhängigkeiten nicht auf den Grund gehen. Wir können die Gleise nicht während der Fahrt wechseln. Manchmal beschäftigen wir uns sogar, weil es leichter ist Ursachen nicht auf den Grund zu gehen. Lösungsstrategien sind: der biblische Sabbat und Gebetspartnerschaft
5.3 Flexibel
Ist Dein Glaube lebendig? Wandelt er sich? Arbeitet er in Dir? Stellst Du Dir Fragen? Wer sich mit der Bibel beschäftigt und keine Fragen hat, hat sich nicht mit ihr beschäftigt. Wer glaubt er hat Gott verstanden, ist ihm noch nie begegnet.
Auch die Schöpfung ist im Wandel. Gott sagte sie sei gut. Doch gut ist auch im Hebräischen etwas anderes als perfekt oder oder abgeschlossen. Die Schöpfung ist angelegt auf Entwicklung und Verbesserung. Daran arbeiten wir mit.
Konsumiere nicht immer wieder die selben theologischen Aussagen und Bibelzitate? Fasse Wandel mit Gott als als Dialog auf. Sehe Dich als Kunstwerk, das unter der Hand Gottes lebenslang an Form und Farbe gewinnt.
5.4 Frucht
Es geht Gott also nicht um Leistung. Doch ein anderer Begriff kommt in der Bibel sehr oft vor: wir sollen Frucht bringen (z.B. Joh. 15,16). Oft sind wir so leistungsgeprägt, dass uns der Unterschied zwischen Leistung und Frucht nicht klar ist.
Leistung
Frucht
Wir kontrollieren (Stress, Spannung); oft auf Kosten unseres Umfeldes
Raum für das Geheimnis des Werdens (Mk 4,26-29); das Leben nicht beherrschen, sondern sich entfalten lassen
Messbar; Nimmt im Alter ab; Ablehnung, wenn jemand wenig leistet
Nicht messbar oder vorzeigbar; lebenslang möglich
Auf Stärken bauen, Schwächen vermeiden. Aufwärtszwang
Beinhaltet Sterben (Joh 12,24); schubweise (siehe Wachstumsknoten i.d. Natur); gerade in Schwäche wirkt Gott
Aktivität rechtfertigt uns
Rechtfertigung aktiviert uns
Frucht zu bringen ist etwas Natürliches. Wachstum ist Teil des Lebendigen. Indem wir Frucht bringen, klinken wir uns in Gottes Gesetzmäßigkeit von Saat und Ernte ein. Wir rechnen mit Gottes Wirken und werden gelassener.

6 Abschluss
6.1 Steilvorlage
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Fußball bei großen Turnieren nur von europäischen Mannschaften bestritten. Für außereuropäische Mannschaften war die Teilnahme schlicht zu teuer. Allerdings wunderten sich viele, als zu den olympischen Spielen 1924 in Paris eine Mannschaft aus Uruguay teilnehmen wollte. "Können die überhaupt Fußball spielen?", fragte man, "und kennen die unsere Regeln?" Die Arroganz der Europäer war schnell verflogen, als die ersten Spiele von den Spielern aus Uruguay haushoch gewonnen wurden. Die Sensation war perfekt: mit 18:1 Toren gewann Uruguay das olympische Fußballturnier.
Es gibt eine Geschichte hinter diesem Erfolg. Ein Zahnarzt aus Montevideo hatte den fünfzehn besten Spielern aus Uruguay die Überfahrt ermöglicht. An Bord des Ozeandampfers nach Europa hatten sie keine Möglichkeit zu trainieren. Aber sie sprachen über nichts anderes als über Fußball und ihr Spiel. Irgendwann auf dieser Überfahrt muss der Gedanke aufgekommen sein, der zu einer Revolution des Fußballs führte. Normalerweise spielte man Fußball so, dass der, der den Ball hatte, solange in Richtung des gegnerischen Tores lief, bis er nicht mehr weiter kam. Dann spielte er zu einem anderen Spieler ab, der lief dann wieder in Richtung Tor, bis er nicht mehr weiter kam, und so weiter. Wer jemals eine Horde fünfjähriger Jungs auf einem Bolzplatz gesehen hat, kann sich ungefähr vorstellen, wie das ausgesehen haben muss.
Die Überlegung der Spieler aus Uruguay war einfach: "Was passiert, wenn ich den Ball nicht zu einem anderen Spieler schieße, sondern in den freien Raum, der vor dem Spieler liegt, genau in den Lauf des Spielers?" Was wie eine kleine Änderung aussah, hatte eine unglaubliche Wirkung. Das Spiel wurde schnell, es wurden ganz andere Spielzüge möglich. Ein Gegner, der diese Art der Ballangabe nicht beherrschte, wurde regelrecht überrannt und war chancenlos gegen die neue Spielweise aus Uruguay. Ohne die Idee des Spiels mit dem "freien Raum" ürden nicht an jedem Wochenende über 200.000 Fans in die Bundesligastadien pilgern und es hätte das deutsche Sommermärchen 2006 nicht gegeben. Die Attraktivität des modernen Fußballs wurde erst durch diese Idee erreicht.
Hier hat etwas stattgefunden, dass man einen Paradigmenwechsel nennt. Die Gesetze und Dynamik des Spiels haben sich komplett gewandelt. So ist es auch mit unserem Leben, sobald es sich für Gottes Ewigkeitsperspektive öffnet. Christus ist Gottes Pass an uns in den freien Raum. Der Psalmist schreibt. „Er [Gott] stellt unsere Füße auf weiten Raum“ Alles was Du tun musst um Gottes Steilvorlage zu übernehmen, ist loslaufen.
6.2 Referenzen
Die Bücher, aus denen ich teilweise ungeniert abgeschrieben habe, kann ich zu diesem Thema empfehlen.
Jesus Unplugged, Rob Bell
Trotzdem ja zum Leben sagen, Victor E. Frankl
The Divine Conspirancy, Dallas Willard
The 7 Habits of Highly Effective People, Steven R. Covey
Die Entscheidung liegt bei Dir, Reinhardt K. Sprenger
Einführung in die Evangelische Theologie, Karl Barth
Gemeindebrief der Freien Evangelische Gemeinde in Bad Schönborn, Matthias Vering
Christen im Gesundheitswesen, Journal 2006

von Dirk Petzoldt - http://docs.google.com/Doc?id=dgxzbbjk_465qv5gj

veröffentlicht von marlster am 28.5.07

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